Der historische, zerstörte Vorgängerbau „Zum Einsiedler“ ist im kollektiven Gedächtnis präsent. Es war ein prägnantes Haus mit repräsentativem Tympanon und erhabener Ausstrahlung. Trotz der mehrfachen Umgestaltung blieb es ein typisches Potsdamer Haus – klassizistisch, vornehm, sparsam, zweigeschossig, von liegendem Format. Sein Dreiecksgiebel schob sich genau in die Blickachse, die vom Alten Rathaus über die Schloßstraße hinweg nach Westen aufspannt. Man kommt gedanklich an diesem Haus nicht vorbei, wenn es gilt, das leergeräumte Grundstück neu zu bebauen. In Geist und Ausstrahlung soll beim neuen Einsiedler deshalb der Vorgängerbau stets durchklingen. Ein „schöpferischer Nachbau“ - komplett neu entworfen, aber im Ausdruck vertraut - soll die Baulücke neben der neuen Synagoge nun auf selbstverständliche und angemessene Weise schließen. Fast, als wäre der Einsiedler einst ein weiteres Mal umgebaut und modernisiert worden, stellt unser Entwurf eine gedachte Transformation des alten Baus dar und wird eines Tages mit dem Bild des alten Einsiedlers verschmelzen. Nicht etwa eine Entscheidung, „traditionell“ oder „modern“ zu bauen, stand also am Anfang des Entwurfsprozesses, sondern der Wunsch, kontextuell im Sinne von Ort und Parzellenhistorie und bildhaft im Sinne der präsenten Erinnerung die bestmögliche Architektur für den Neuen Einsiedler zu finden.

Einsidler
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